Wenn die Nachfolge zur Existenzfrage wird
Was über Jahrzehnte aufgebaut wurde – das eigene Lebenswerk, Arbeitsplätze, ein gut funktionierendes Geschäft – droht zu verschwinden, wenn keine passende Lösung gefunden wird. Die Schweiz verfügt über eine lange Tradition alternativer Eigentumsstrukturen – Zeit, dieses Potential auch in der Nachfolgegestaltung zu nutzen.

Eine stille Krise mit weitreichenden Folgen
Rund 90'000 Schweizer KMUs stehen in den kommenden Jahren vor der Nachfolgefrage. Etwa jedes sechste Unternehmen ist betroffen, denn die Babyboomer-Generation geht bis 2029 in Rente.
Wenn familieninterne Nachfolgepläne scheitern, endet dies häufig in der Schliessung des Betriebs oder in der Übernahme durch Private Equity und grössere Konzerne. Was dann verloren geht, sind lokal verankerte Betriebe, die Wissen bewahren, Lehrstellen schaffen und Innovationskraft in der Region halten. Gleichzeitig greifen die klassischen Lösungen immer seltener: Nicht jedes Kind kann oder möchte die Firma übernehmen. Externe Käufer müssen oft hohe Kaufpreise stemmen. Und nicht jeder Unternehmer möchte sein Lebenswerk an den Höchstbietenden verkaufen.
Bewährte Tradition, neu gedacht
Vor über einem Jahrhundert stand Robert Bosch vor der Nachfolgefrage. Ihm waren unternehmerische Freiheit, der Schutz seiner Unternehmenswerte und fähige Führung wichtig. Seine Lösung: ein Stiftungsmodell, das noch heute funktioniert. Sein Anliegen findet bei vielen Schweizer Unternehmern Widerhall – und hat unter anderem die Nachfolgelösung der Dätwyler Holding AG inspiriert. Dort ist der Verwaltungsrat treuhänderisch in der Führungs- und Eigentümerrolle verankert. Auch Victorinox, Rolex, Felchlin oder die CSS Versicherung setzen seit Generationen auf alternative Eigentumsstrukturen – etwa über Stiftungen oder Vereine. Diese Vielfalt zeigt: Die Schweiz war nie nur auf Shareholder-Value getrimmt und verfügt über bewährte Modelle jenseits klassischer Verkaufsszenarien.
Steward-Ownership als Nachfolgelösung
Genau hier setzt das Konzept des «Steward-Ownership» an. Es schafft klare Eigentumsverhältnisse indem es zwei zentrale Fragen beantwortet: Wer soll die Kontrolle über ein Unternehmen haben? Und wer kann wirtschaftliche Werte daraus entnehmen?
Das Modell adressiert zentrale Probleme der Nachfolgelösung: Mitarbeitende oder das Management können die Nachfolge antreten, ohne das Unternehmen kaufen zu müssen. So wird der Kandidatenkreis erweitert. Das Unternehmen bleibt unabhängig und kann nicht zum Spekulationsobjekt werden. Kontinuität und Langfristigkeit ermöglichen den Erhalt von Werten und stabilen Beziehungen zu Mitarbeitenden, Kunden und Lieferanten. Einmal eingerichtet, funktioniert der Nachfolgemechanismus dauerhaft über Generationen.
Konkret und bewährt
Dass dies keine theoretische Idee ist, zeigen vielfältige Schweizer Beispiele. Neben den bereits erwähnten Beispielen setzen Betriebe wie das Unternehmen Mitte in Basel, die Glockengiesserei Rüetschi oder das junge Unternehmen Crowd Container auf diese Struktur. Weitere Familienunternehmen handeln faktisch nach diesen Prinzipien ohne sie formal verankert zu haben. International hat zuletzt Patagonia das Modell prominent gemacht.
Qualität statt Wachstum um jeden Preis
Steward-Ownership ist keine Universallösung. Doch für KMU-Eigentümer, denen der Erhalt ihres Lebenswerks, die Unabhängigkeit des Betriebs und die Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden wichtig sind, bietet es eine tragfähige Alternative. Es steht für Qualität statt Wachstum um jeden Preis, für Sinn statt kurzfristigen Profit – und führt wirtschaftliche Stabilität, soziale Verantwortung und Zukunftsfähigkeit zusammen
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