Gundeldinger Feld
von der Maschinenfabrik zum Quartierzentrum
Mitten in der Stadt Basel stand zur Jahrtausendwende ein 12’000 Quadratmeter grosses Fabrikareal zum Kauf. Fünf visionäre Köpfe hatten zwar kein Geld, aber grosse Träume und das Gefühl, dass man den Sprung ins Ungewisse wagen muss. So fanden sie einen Weg, das ehemalige Industrieareal zu übernehmen. Sie gestalteten dessen nachhaltige Umnutzung zu einem finanziell selbsttragenden Quartierzentrum mit durchmischtem Gewerbe, Gastronomie und kulturellen Aktivitäten. Das Gundeldinger Feld wurde über die letzten 20 Jahre zu einem Pilotprojekt auf vielen Ebenen. Unter anderem auch, weil es die Inhaber:innen nach den Prinzipien von Steward-Ownership (dt. Verantwortungseigentum) geführt haben.

Motivation für nachhaltige Entwicklung ohne Profitdruck
Als 1999 nach über hundert Jahren die Maschinentätigkeit auf dem Industrieareal Gundeldinger Feld stillgelegt wurde, übernahmen fünf visionäre Köpfe das Areal und konzipierten dessen Umnutzung. Damit die Träume für das Leben auf dem Areal Form annehmen konnten, benötigten sie neben viel Planung, Partnerschaften und Persistenz auch finanzielle Mittel sowie ein solides rechtliches Fundament. Dazu gründeten sie zwei Unternehmen. Die Gundeldingerfeld Immobilien AG erwarb mit eingeholten finanziellen Mitteln von drei privaten Investor:innen und drei Pensionskassen das Grundstück und wurde so zur Grundeigentümerin. Die Umnutzung des Areals, die architektonisch notwendigen Massnahmen und die Vermietung waren Sache der Initiativgruppe, die sich zur Kantensprung AG konstituierte. Dazu hat die Gundeldinger Feld Immobilien AG alle Gebäude entschädigungslos an die Kantensprung AG für 90 Jahre im Baurecht abgegeben. Als gleichberechtigte Aktionär:innen, Verwaltungsrät:innen und Geschäftsführer:innen der Kantensprung AG hatte die Initiativgruppe nun die volle Macht und Verantwortung darüber, wie das Areal zukünftig gestaltet und genutzt werden soll. Und dies taten sie erfolgreich. Nach sieben Jahren war die Transformation weitgehend abgeschlossen und alle Räumlichkeiten vermietet. Es entstanden 250 Arbeitsplätze und qualitativer Lebensraum. Seit 2002 ist das Areal ein Pilotprojekt für die 2000-WattGesellschaft. Zudem erhält die Baurechtgeberin einen marktkonformen Baurechtszins.
Die Initiativkräfte blieben dem Projekt treu und entwickelten es fortlaufend mit der gleichen Vision vor Augen weiter. Teil davon waren mündliche Vereinbarungen, dass sie die Kantensprung AG als not-for-profit Unternehmen führen, Gewinne auf dem Areal reinvestieren und keine Dividenden ausschütten. Das erfolgreiche Konzept zeigte sich auch in einer Wertzunahme von einem symbolischen Franken zu einem Steuerwert von mehreren Millionen Franken innert weniger Jahre. Die fünf Aktionär:innen der Kantensprung AG waren damit konfrontiert, dass die Steuerbehörde den Aktiennominalwert von CHF 20’000 nun plötzlich auf fast 2 Millionen Franken Vermögenswert geschätzt hatte. Vermögen, auf das sie aber kein Zugriff hatten, da ein Verkauf für sie nicht in Frage kam. Diese erfolgreiche Entwicklung gab so auch den Anstoss, bisherig per Handschlag getroffene Vereinbarungen und Wünsche für die zukünftige Entwicklung des Areals nun auch rechtlich bindend zu verankern. Damit das Gundeldinger Feld auch nach der Pionierphase seinen Ideen und Grundsätzen treu und in der Ausgestaltung ohne Druck von Profiterwartungen unabhängig bleiben konnte, begann das Initiativteam die Nachfolge innerhalb der Kantensprung AG zu regeln.
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